Gleich und gleich gesellt sich gern – Gegensätze ziehen sich an
Verliebt sein ist ein bisschen wie ein Wunder. Am Anfang staunen wir: „Wahnsinn, du verstehst mich blind! Wir ticken ja völlig gleich!“ Das fühlt sich an wie Seelenverwandtschaft. Aber wenn wir ehrlich sind: Oft ist es gerade das Andere, das uns so magisch anzieht. Wir suchen unbewusst nach dem, was uns selbst fehlt. Der Ruhige verliebt sich in das Energiebündel, der Strukturierte in die Kreative. Wir fühlen uns durch den Partner oder die Partnerin erst so richtig komplett.
Doch Vorsicht, Falle! Mit den Jahren kann sich dieses Blatt wenden. Genau die Eigenschaft, die wir am Anfang so faszinierend fanden, treibt uns plötzlich zur Weißglut. Der Klassiker: Er hat sie geliebt, weil sie so fantasievoll und kreativ ist. Sie hat ihn geliebt, weil er so ordentlich und verlässlich ist. Ein paar Jahre später nörgelt er: „Du bist so chaotisch!“ Und sie stöhnt: „Du bist so ein Pedant!“ Die Gefahr ist, dass man daraufhin in die Extreme rutscht: Er wird noch ordentlicher, um das Chaos auszugleichen, und sie wird noch chaotischer als Protest. Wenn man hier nicht aufpasst, wird das Anderssein zur Bedrohung für die Liebe.
Langeweile? Nein danke! Dabei ist diese Verschiedenheit eigentlich ein riesiger Schatz. Stellen Sie sich vor, Sie wären mit einer Kopie von sich selbst verheiratet. Das wäre zwar harmonisch, aber auf Dauer ziemlich langweilig. Anderssein ist das Salz in der Suppe. Es sorgt dafür, dass die Beziehung auch nach 30, 40 oder 50 Jahren noch spannend bleibt. Natürlich ist es schön, wenn man sich in einer langen Ehe blind versteht und vielleicht sogar gleichzeitig dasselbe sagt. Aber es ist noch schöner, wenn der andere einen immer noch überraschen kann.
Bleiben Sie neugierig Sehen Sie es doch mal so: Wenn Ihr Partner anders denkt oder fühlt als Sie, ist das keine Kampfansage gegen die Beziehung. Es ist ein frischer Wind. Es ist eine Einladung, den eigenen Horizont zu erweitern. Wir verändern uns ein Leben lang. Das Geheimnis einer langen Liebe ist die Neugier. Hören Sie nie auf, den anderen entdecken zu wollen. Es gibt diesen schönen Gedanken: „Gerade wenn ich glaube, ich kenne dich in- und auswendig, bist du mir plötzlich wieder neu und fremd.“ (aus: Haag: so kostbar ist der Mensch) Das ist keine Entfremdung, sondern eine Chance, sich wieder neu zu verlieben. Freuen Sie sich darüber, dass Ihr Partner anders ist. Er oder sie bringt Farben in Ihr Leben, die Sie allein vielleicht nie gesehen hätten.