"Komm in mein Leben" – Warum das zu wenig ist
In einem Gedicht von Lothar Zenetti heißt es: „Komm in mein Leben, bediene dich meiner Sachen … “ Das klingt wunderschön. Sehr romantisch, fast wie ein Heiratsantrag. Man möchte sofort „Ja“ sagen. Aber wenn man diesen Gedanken zu Ende denkt, bekommt er einen Haken.
Gast oder gleichberechtigt? Wenn einer in das Leben des anderen „hineinkommt“, bleibt er immer bis zu einem gewissen Grad ein Gast. Er zieht in ein fertiges Haus ein, lebt im Leben eines anderen. Auf Dauer funktioniert das nicht. Niemand möchte sich in seiner Beziehung wie „in der Fremde“ fühlen. Eine echte Partnerschaft bedeutet nicht, dass einer zum anderen dazustößt, sondern dass beide gemeinsam etwas Neues bauen. Ein gemeinsames „Wir-Haus“, in dem beide Heimatrecht haben. Gleichzeitig gilt aber auch: Jeder muss sein eigenes Leben weiterleben dürfen. Verschmelzen Sie nicht völlig miteinander. Eine gesunde Beziehung besteht aus zwei starken „Ichs“, die ein „Wir“ bilden.
Stillstand ist der Tod der Liebe Dieses gemeinsame Haus ist nie fertig. Leben bedeutet Veränderung. Wer glaubt, nach der Hochzeit bleibt alles so rosig und statisch wie am ersten Tag, der irrt. Wenn sich nichts mehr bewegt, ist die Beziehung eigentlich schon tot. Veränderungen kommen von außen (Jobwechsel, Krisen) oder von innen (neue Interessen, persönliche Entwicklung). Die Kunst dabei ist: Verlieren Sie sich nicht aus den Augen! Manchmal entwickelt sich der eine Partner schneller als der andere. Das ist normal. Wichtig ist nur, dass Sie in „Sichtweite“ bleiben, den Kontakt halten und einander immer wieder neu abholen.
Ein Kind ist kein Accessoire Dieser Gedanke gilt ganz besonders, wenn Kinder ins Spiel kommen. Oft wird ein Baby sehnsüchtig erwartet als die „Krönung“ der Liebe, als süßes Extra, das man sich zum Glück dazu holt. „Komm in unser Leben, kleines Wesen!“ Doch Vorsicht: Ein Kind ist keine „Zutat“ zu Ihrem bestehenden Leben. Es ist kein nettes Deko-Objekt für das Familienglück. Ein Kind ist von der ersten Sekunde an ein eigener Mensch mit eigenem Willen. Es braucht Platz – und zwar viel Platz. Es wird Ihr bisheriges Leben nicht ergänzen, sondern komplett umkrempeln.
50 Prozent Papa Damit das Kind diesen Platz bekommt, müssen sich die Eltern ändern. Und zwar beide! Es reicht nicht, wenn nur die Mutter ihr Leben anpasst und der Vater weitermacht wie bisher. Zur Erinnerung: Die Hälfte aller Eltern sind Väter. Auch Männer müssen ihr Leben „umbauen“, damit das Kind darin wirklich Raum hat – emotional und zeitlich. Sich auf dieses Abenteuer einzulassen, ist anstrengend. Es bedeutet Arbeit an sich selbst und an der Beziehung. Aber genau darin liegt die Fülle des Lebens: Die Chancen in der Veränderung zu sehen und gemeinsam daran zu wachsen. Das ist, bei allem Stress, das eigentliche Glück.